Musikschule Löwe schließt ihre Türen

Am letzten Schultag vor den Sommerferien wurde an der Grundschule in Obereschach die beliebte Musikpädagogin Jutta Löwe verabschiedet. Corona bedingt war es ein leiser Abschied den man Jutta Löwe zukommen ließ. Verdient hätte sie einen größeren, denn seit 40 Jahren unterrichtete die Musikpädagogin in Obereschach zahlreiche Schüler und Schulklassen  an verschiedenen Instrumenten. Viele Kinder haben bei ihr ein Musikinstrument erlernt, die ersten Auftritte vor Publikum erleben und  den wohlverdienten Applaus entgegen nehmen dürfen. Davor war jedoch immer Arbeit angesagt, denn ein Instrument zu spielen fällt einem nicht in den Schoß. Da muss die Fingerfertigkeit geübt, Noten erlernt  und täglich zu Hause trainiert werden. Da bedarf es immer wieder der motivierenden Zusage der Musiklehrerin. Vor 40 Jahren kam Jutta Löwe nach Villingen und an die Schule in Obereschach. Gebürtig ist sie aus Flensburg-Handewitt, wo sie aufgewachsen ist. Die Mutter einer Tochter lebt mit ihrem Mann in Weigheim. Über viele Jahre war sie zuerst an der Musikschule der Stadt Villingen-Schwenningen engagiert. Sie unterrichtete auch über all die Jahre hinweg in Weilersbach. Die Stadt  hatte ihr damals Räume an der damaligen Grund und Werkrealschule zugewiesen und mit  dem erstem Tag an, begann auch die fruchtbringende  Kooperation mit der Schule. Wie sie schmunzelnd erwähnt verschließ sie vier Rektoren, drei Hausmeister und  zahlreiche Lehrer. Die im August 60 Jahre alt werdende Löwe engagierte sich in der Schule auf vielfältige Weise. Es verging keine Einschulung, keine Schulentlassfeier oder kein Schulfest und keine Festivität im Lehrerkollegium, das sie nicht mit Musikbeiträgen umrahmte und den würdigen Rahmen verlieh. Die Befreiung der Schüler von den Narren bereicherte sie mit lustigen Liedern und Polonaisen. Rektor Martin Disch erinnerte sich an seine ersten Jahre an der Schule in Obereschach, als er 1984 als Referendar zum ersten Mal mit Jutta Löwe in Berührung kam. Mit ihrer immer fröhlichen Art musizierte sie mit ihren Schülern. In Erinnerung bleiben zahlreiche Aufführungen, Musicals und  musikalische Umrahmungen von Gottesdiensten. Jutta Löwe identifizierte sich mit der Schule, so Disch. Das zeigte sich auch, dass sie immer wieder Marmelade kochte, diese verkaufte und einem karitativen Zweck zugute kommen ließ. Auch das Spendenkässchen, das bei den Weihnachts – und Schuljahresendevorspielen umherging, wurde geleert und der Erlös kam anderen zu Gute. Sie ließ sich nie unterbringen. Als die Musikschule VS vor 25 Jahren schloss, wagte sie einen Neuanfang. Sie wurde selbstständig und gründete die Musikschule Löwe. Da sie die Kooperation mit der Schule beibehielt, wurde ihr immer ein Zimmer zum Musikunterricht zur Verfügung gestellt. Seit Jahrzehnten unterhielt sie jeweils im November die Senioren mit selbstkomponierten und gedichteten kleinen Musicals, die der Einladung der Schule zum Seniorennachmittag nachkamen. Aber Jutta Löwe war auch sonst bei den Senioren im Dorf nicht nur bei der Adventsfeier eine willkommene Person. Vor einigen Jahren erkrankte sie schwer, aber sie kämpfte sich zurück. Das freudige Lächeln der Schüler, das Winken und Umarmen fehlte ihr und sie genoss es, wenn sie herzlich willkommen geheißen wurde. In den letzten Jahren unterstütze sie die Schule als Musiklehrerin  und als Lehrbeauftragte. Wir sind alle dankbar, dass Jutta Löwe uns da unter die Arme griff, Projekte anleierte und den Chor leitete. Das Projekt SBS (Spiel/Bewegung/Singen) initierte sie und zuletzt war sie auch in der Kindertagestätte Obereschach tätig. Nun traf sie Corona in verschiedener Weise sehr hart. Zur Risikogruppe gehörend musste sie zuletzt ihre Musikschüler über das Homeoffice unterrichten. Der Arzt riet ihr ab, zurück ins Schulleben zu gehen. Jutta Löwe veräußerte ihre Instrumente und zuletzt wurde auch das Klavier abgeholt. Viele Schüler aus Obereschach haben bei ihr Flöte, Keyboard, Gitarre, Akkordeon und Klavier erlernt, und auch Erwachsene frischten ihre Musikkenntnisse bei ihr auf. Nun geht sie in den wohlverdienten Ruhestand und hinterlässt Spuren nicht nur an der Schule und ein großes Loch. Jutta Löwe fiel der Abschied sichtlich schwer, Rektor Martin Disch überreichte ihr nicht nur einen Blumenstrauß, sondern noch weitere Geschenke der Kollegen und der Mitarbeiter im Haus und die Eltern bedankten sich mit einem Sommerflieder, den sie in ihren Garten pflanzen soll. Jutta Löwe will in der neuen Freizeit ein Buch herausbringen mit ihren Liedern, Musicals und Gedichten.

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